Zeitlose Spätwerke
Zuweilen geben musikalische Spätwerke Rätsel auf. Sie entledigen sich tradierter Formen, betreten Neuland, setzen sich über ihre Zeit hinweg. Schumann schrieb sein Cellokonzert im Oktober 1850 in nur zwei Wochen - er erfuhr als Musikdirektor in Düsseldorf hohe Anerkennung und durchlebte zugleich seelische Depressionen, die ihn bald ganz ergriffen. In diesem Konzert verwendet er neben ausgearbeitetem auch fragmentarisches thematisches Material. Frei von Formschemata reicht der Bogen von tief verinnerlichten und aufgewühlten Eröffnungstakten bis zu einem brillanten lebensbejahenden Abschluss. Haydns Londoner Sinfonie Nr. 99, 1794 uraufgeführt, bahnt Wege aus den Routinen im Werk Haydns am Hofe Esterhazys. Die neue Freiheit erlaubt Haydn neue klangliche Realisationen. Er etabliert (wie Mozart in seinem späten Schaffen) mit zwei Klarinetten den vollen Holzbläsersatz, verabschiedet sich vom barocken Forte-Tutti und führt ein kunstvolles Wechselspiel von Gesamtklang und kammermusikalischer Detailgestaltung ein. Ravels „Tombeau de Couperin“ ist geprägt von Kriegs- und Todeserfahrung, eigener schwerer Erkrankung und dem Tod der Mutter. Jedes der sechs Klavierstücke – vier davon orchestriert 1919 - war kriegsgefallenen Kameraden und Musikern gewidmet. Das von uns gespielte „Menuet“ ist ein durchweg leiser und ruhiger höfischer Tanz in Allegro moderato. Nach 32 Takten in der Tonart G-Dur fällt es in g-moll. Stuckenschmidt schrieb: „Hinter der hellen, spielerischen Bewegung dieser Tänze … verbirgt sich ein tief schmerzliches, ja tragisches Grundgefühl.“ (Text: Ulrich Mückenberger, AHK)
Johannes Berger (Foto: Anna Kaiser)
Der gebürtige Bremer Johannes Berger studierte nach dem Abitur zunächst modernes Cello bei Prof. Gert von Bülow in Rostock. Nachdem er als Praktikant im NDR-Sinfonieorchester Hamburg sowie im SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg Orchestererfahrung gesammelt hatte, folgte er seiner Leidenschaft für die Historische Aufführungspraxis und studierte Barockcello bei Prof. Kristin von der Goltz in München sowie in Frankfurt, wo er 2014 mit dem Konzertexamen abschloss.
Als gefragter Continuo-Cellist ist er regelmäßig zu Gast bei Ensembles wie dem Freiburger
Barockorchester, B’Rock Orchestra, dem Leipziger Concert, Teatro del Mondo oder der Mannheimer Hofkapelle. In zahlreichen CD-Produktionen für CPO, SWR, BR, Accentus und Oehms wirkte er als
Solo-Continuo mit. Darüberhinaus ist er Gründungsmitglied von BaroqueLAB Frankfurt. Als Coach für Historische Aufführungspraxis arbeitete er beispielsweise mit der Continuo-Gruppe des
Philharmonischen Orchesters Freiburg und der Jungen Deutschen Philharmonie sowie mit der Kammerphilharmonie Frankfurt und dem Malion Quartett.
Als moderner Cellist ist er Mitglied des norddeutschen Kammerorchesters ensemble reflektor, mit
dem er regelmäßig in der Hamburger Elbphilharmonie, beim Schleswig-Holstein Musikfestival oder bei PODIUM Esslingen auftritt.
Johannes Berger reizen die Schnittstellen und Übergänge zwischen den Epochen und ihrem
entsprechenden Instrumentarium, und so beschäftigt er sich neben der Auseinandersetzung mit der barocken Spielweise zunehmend auch mit der Aufführungspraxis der Romantik.
Eine Anmeldung ist erforderlich.
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Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten. Das Konzert ist ohne Pause, Musikzeit ca. 75 Min.
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Das AHK mit Hiroyuki Yamazaki
im Sendesaal Bremen 2025
Foto: Stefan Meißner